Qualitative U3-Betreuung

Es ist bekannt, dass der Ausbau der Betreuungsplätze für unter Dreijährige seit August 2013 vorangetrieben wird und diese Altergruppe mit ihren Themen und Bedürfnissen mehr und mehr zum Thema von Pädagogen und ihrem Anspruch an Professionalität wird.

Wir haben uns jedoch bewusst dafür entschieden, einen Perspektivenwechsel zu machen: Wir haben uns als werdende Kindheitspädagogen gefragt, ob Sie, die Eltern, wissen, welche Merkmale eine qualitativ hochwertige Betreuung für ihre Kinder haben sollte. Dies war unsere Leitfrage, die wir nachfolgend beantworten wollen. Wir haben dabei verschiedene Qualitätsmerkmale herausgearbeitet, die wir Ihnen nachfolgend darstellen wollen.

 

Rahmenbedingungen

Für den idealen Platz in einer Einrichtung für Kinder unter drei Jahren gibt es einige Empfehlungen, was die Rahmenbedingungen betrifft.

Diese beziehen sich auf die Gruppengröße, den Betreuungsschlüssel, sowie die Räumlichkeiten und deren Funktionsbereiche. Im Folgenden sollen die einzelnen Bedingungen erläutert werden.


Gruppengröße und Betreuungsschlüssel

In Bezug auf den Betreuungsschlüssel und die Gruppengröße gilt zunächst die Regel: Je jünger die Kinder sind, desto kleiner muss die Gruppe sein. Grundsätzlich sollte die Gruppe auf 12 bis maximal 15 Kinder begrenzt sein und mindestens zwei Fachkräfte pro Gruppe gewährleisten. Noch genauer genommen wäre es ideal, wenn bis zum ersten Lebensjahr eine Fachkraft, bei einer Gruppengröße von vier bis sechs Kindern, auf zwei bis drei Kinder käme. Bei Kindern unter zwei wäre es dann eine Fachkraft auf drei bis vier Kinder bei einer Gruppengröße von sechs bis acht Kindern. Bei zwei Jahre alten Kindern käme eine Fachkraft auf vier bis fünf Kinder bei einer Gruppengröße von acht bis zehn Kindern und bei Kindern im Alter von zwei ein halb Jahren wäre es eine Fachkraft auf fünf bis sechs Kinder bei einer Gruppengröße von zehn bis dreizehn Kindern. Man kann gut erkennen, dass sich mit steigendem Alter der Kinder auch die Gruppengröße vergrößert so wie die Anzahl der Kinder pro Erzieherin in der Gruppe.


Räumlichkeiten und Funktionsbereiche

Räume haben eine entscheidende Bedeutung für die Arbeit mit Kindern, denn in vielen Pädagogikkonzepten wird der Raum mittlerweile als »dritter Erzieher« angesehen. Daher muss das vom Raum ausgehende Bildungsangebot den verschiedenen Entwicklungsphasen und Bedürfnissen von Kindern unter drei Jahren angepasst werden. Es sollte ausreichend Platz für die unterschiedlichen Aktivitäten der Kinder geben. Wie kann dies nun konkret aussehen?

Zunächst muss die Einrichtung über verschiedene separate Räumlichkeiten verfügen. Dazu gehören der Gruppenraum, eine Küche, ein Wickelraum für die beziehungsvolle Pflege, ein kleinkindgerechtes WC und ein abgetrennter Schlafraum, der Entspannungs- und Rückzugsmöglichkeiten bietet. Alle Räume sind übersichtlich gestaltet und auch für ein- bis dreijährige Kinder leicht zu erfassen. . Die Räume sind auf die Sinne der Kinder ausgerichtet.

Der Gruppenraum wiederum sollte sich aus verschiedenen, für die Altersgruppe notwendigen, Funktionsbereichen zusammensetzen. Dazu gehören ein geschützter Bereich für Krabbler, „Rennstrecken“ für Laufanfänger, dazu Raum zum Springen und Klettern, zum Experimentieren und Konstruieren und für weiträumige Bewegung.

Zum Aufbau einer gelungenen Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit den Eltern, die dem positiven Entwicklungsverlauf des Kindes dient, steht ein Besprechungszimmer für Elterngespräche zur Verfügung.

Des Weiteren sollte es gegebenenfalls eine Waschküche und einen Trockenraum geben.

Auch das Außengelände stellt einen „Raum“ der Einrichtung dar. Es sollte vielfältige Sinnes- und Bewegungserfahrungen ermöglichen, dabei aber keine Gefahrenquellen, wie z.B. giftige Pflanzen oder Wasserreservoirs bereithalten.

Aber nicht nur die Aufteilung der Räumlichkeiten der Einrichtung sind wichtig, sondern auch das, was sie an Experimentier- und Spielmaterial bereithalten.


Materialangebot

Beim Spielmaterial sollten Sie darauf achten, dass es kein Überangebot gibt. Stattdessen sollte die Auswahl solches Spielzeug bereithalten, welches von den Kindern auf verschiedene, kreative Weise gebraucht und auch umfunktioniert werden kann, welches anregend, nicht vorgebend, auffordernd, aber nicht überfordernd ist.

Es gibt Materialien für jede Entwicklungsstufe in den Bereichen Bewegung, Gestalten, Bauen und Konstruieren und Rollenspielen. Zur Bewegung können Bälle, Rutschen, Matratzen, Trampoline, Rollbretter, Schaukeltiere, Bobbycars und Roller angeboten werden. Zum Gestalten sind z.B. Pappen, Wasser- und Fingerfarben, Bunt- und Wachsstifte, Kleister, Pinsel, Schwamm und Knete vorhanden. Zum Bauen und Konstruieren gibt es beispielsweise Holzbausteine in verschiedenen Formen und Größen, Decken, Kissen, Autos, Magnetkugeln und Stäbe. Für das Rollenspiel steht eine vielfältige Verkleidungskiste zur Verfügung. Auch Alltagsgegenstände können hervorragendes Spielmaterial sein, so können z.B. Töpfe oder Gläser zu Musikinstrumenten umfunktioniert werden, mit Sieben können die Kinder wunderbare Experimente machen und Strohhalme oder Nudeln lassen sich alternativ zu Pinseln zum Malen verwenden. Auch Naturmaterialien sind bestens geeignet um die Fantasie der Kleinsten anzuregen und ihren Erfindungsreichtum herauszufordern. Außerdem bieten Kastanien, Blätter, Tannenzapfen, Muscheln, Wasser, Baumrinde und Sand (um nur einige zu nennen) eine große Bandbreite an Sinneserfahrungen, vielmehr, als industriell gefertigtes Spielzeug dies tut. Das Spielmaterial, das mehrere Sinne des Kindes auf unterschiedliche Weise anspricht ist am vielseitigsten einsetzbar und daher vermutlich am interessantesten für das Kind. Bei allen Materialien sollte aber darauf geachtet werden, dass die Kleinen nichts verschlucken oder sich verletzen können.

Eine Voraussetzung dafür, ob ein Kind von den vielfältigen Angeboten in der U3-Einrichtung Gebrauch machen und davon profitieren kann, ist die Beiziehung, die es zu der pädagogischen Fachkraft hat. Arbeit mit Kindern ist immer Beziehungsarbeit. Die Beziehung zum Kind ist die Grundlage für gelingende Entwicklung. Dass es daher die Hauptaufgabe der Fachkraft ist, sich dem Kind als Bindungsperson zur Verfügung zu stellen, sollte sowohl ihr selbst, als auch der Leitung bewusst sein. Gegenstand der Betrachtung ist daher im Folgenden die Rolle der und die Anforderungen an die Fachkraft.


Die pädagogische Fachkraft

In Bezug auf die pädagogischen Fachkräfte sollte gewährleistet sein, dass eine Betreuung durch vertraute Personen stattfindet und kein ständiger Wechsel in der Einrichtung Standard ist. Da die Kinder noch sehr jung sind, sind verlässliche Bindungspersonen für sie von entscheidender Bedeutung: „Es ist für Menschen charakteristisch, starke affektive Beziehungen miteinander einzugehen. Einige der stärksten Gefühle hängen damit zusammen, wie diese Beziehungen sich entwickeln. Während stabile Beziehungen eine Quelle der Freude und Sicherheit sind, lösen Trennung, Verlust bzw. drohender Verlust Angst oder Ärger oder Trauer und Depression aus.“ Das Bindungsverhalten ist besonders stark in den ersten Lebensjahren.

Natürlich sollten alle Fachkräfte über eine fundierte Ausbildung verfügen und ideal wäre es, wenn mindestens eine von ihnen über einen Fachhochschulabschluss verfügt. Neben einer qualifizierenden Ausbildung sind Kompetenzen wie Sensibilität, Schwingungsfähigkeit, Empathie, aber auch Konsequenz, Verlässlichkeit und ausreichende emotionale Stabilität von unverzichtbarer Bedeutung.

Die Fachkraft muss sich selbst als sekundäre Bindungsperson begreifen und anbieten. Dieses Spannungsfeld zwischen verlässlicher, zugewandter Bindung und professioneller Distanziertheit ist ein Balanceakt, den die pädagogische Fachkraft durch regelmäßige Reflektion und Sensibilität zu meistern hat.

Die Anforderungen gerade der Altersgruppe der Kleinstkinder erfordern ein hohes Maß an Energie und Einsatzbereitschaft von Seiten der Fachkraft, um alle physischen, kognitiven und emotionalen Bedürfnisse der anvertrauten Kinder erfüllen zu können.

Um zu gewährleisten, dass das Kind eine sichere Bindung zu seiner Erzieherin aufbauen kann und sich auch ansonsten gut in die Gruppe einfindet, ist die Eingewöhnungsphase. Sie ist also grundlegend und wichtig für alle weitere Entwicklung in der Einrichtung.


Eingewöhnungsphase

Wenn Sie Ihr Kind in eine U3-Betreuung geben, was würden Sie sich für sich selbst und für Ihr Kind für eine Eingewöhnung wünschen? Welche Erwartungen hätten Sie an die Fachkräfte und die Leitung?

Vermutlich würden Sie sich eine kompetente, liebevolle und geduldige Eingewöhnungsphase für sich und Ihr Kind wünschen. Sie würden erwarten, dass die Fachkräfte Ihrem Kind einen angemessen und stressfreien Übergang von der Familie in die U3-Einrichtung ermöglichen. Um dieses Ihnen und Ihrem Kind zu gewährleisten, sollte die Einrichtung das Berliner Eingewöhnungsmodell praktizieren.

Das Berliner Eingewöhnungsmodell nach infans (Institut für angewandte Sozialisationsforschung/Frühe Kindheit e.V.) basiert auf den Erkenntnissen der Bindungstheorie von John Bowlby. Besondere Beachtung findet der Blick auf die Bindungsqualität des Kindes an seine Mutter. Je nach Bindungsqualität gestaltet infans die Eingewöhnungsphase kürzer oder länger immer in Abhängigkeit vom Kind und seinen Bedürfnissen.

In der Regel brauchen die Kinder zwischen ein bis drei Wochen für die Eingewöhnung. Um den Kindern den Übergang von der Familie in die Kita zu erleichtern, benötigen sie die unterstützende Hilfe ihrer Bezugspersonen. Kinder die sich ohne diese Unterstützung in einer fremden Umgebung zurechtfinden und eine Beziehung zu einer fremden Person aufbauen sollen, sind nach einer Studie der Freien Universität Berlin durchschnittlich vier Mal häufiger krank und hinken in ihrer kognitiven Entwicklung sechs Monate hinter den von ihren Eltern begleiteten Kindern hinterher.

Die Auswirkungen einer fehlenden Eingewöhnung machen sich auch im Verhalten der Kinder bemerkbar. Ihnen fällt es schwerer die Angebote in der Einrichtung zu nutzen und sie zeigen oft ein ängstliches Verhalten. Das Ziel einer Eingewöhnung ist es, dem Kind durch die Anwesenheit seiner Bezugsperson eine stabile Beziehung zur Fachkraft zu ermöglichen. Im Sinne des Kindes sollte auf eine Eingewöhnungszeit nicht verzichtet werden, um dem Kind den Stress in einer neuen, verunsichernden Situation und auch weitere negative Folgen zu ersparen, denn auch bei günstigen Bedingungen werden dem Kind hohe Anpassungsleistungen abverlangt.

Die Eingewöhnungsphase muss ein fester Bestandteil der Konzeption der Einrichtung sein. In vielerlei Hinsicht sind die U3-Einrichtungen, wie auch Kindertagesstätten, in ihrer Konzeptionsgestaltung frei. Es gibt allerdings einige Anforderungen, die man an jede Einrichtung herantragen sollte und die erfüllt sind, wenn es sich um qualitativ hochwertige Betreuung handelt. Welches diese Anforderungen sind und welches Leitbild eine gute Einrichtung verfolgen sollte, sind Inhalt des folgenden Kapitels.


Das pädagogische Konzept

Jede gute U3-Einrichtung muss nach einem klar definierten, schriftlich festgelegten pädagogischen Konzept arbeiten, um qualitativ hochwertige Arbeit zu gewährleisten. Dieses Konzept bietet die Grundlage für die Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsarbeit und für das Miteinander in der Einrichtung.

Mittel- und Ausgangspunkt des Konzeptes müssen die besonderen Entwicklungs- und Bindungsbedürfnisse der Kinder unter drei sein. Das Ziel der Einrichtung ist dabei die gesunde emotionale, soziale, kognitive und körperliche Entwicklung der Kinder.

Die Qualität des Konzepts wird dadurch bestimmt, in welchem Maße und wie detailliert es auf die Bedürfnisse des im Mittelpunkt stehenden Kindes eingeht. Dazu gehören die Bindungsbedürfnisse des Kindes: Es muss ermöglicht werden, dass das Kind eine vertrauensvolle und stabile Beziehung zu der pädagogischen Fachkraft eingehen kann. Dazu ist es wichtig, dass das Konzept eine kontinuierliche Betreuung vorsieht.

Grundlegend für ein Konzept ist natürlich Stillung der Grundbedürfnisse des Kindes nach „Versorgung, Sicherheit, Geborgenheit, Schutz, Berührung, Wahrhaftigkeit sowie Wärme und Zärtlichkeit“. Das Konzept wirft also einen ganzheitlichen Blick auf das Kind und hat seine primären, als auch seine sekundären Bedürfnisse im Blick.

Es sollte weiterhin gesichert sein, dass das Kind sich individuell entwickeln kann und ihm hierzu die nötigen, auf der Basis von dokumentierter Beobachtung festgestellten, Bildungsangebote gemacht werden. Das Konzept der U3-Einrichtung sollte sich aus einer Mischung von geplantem Angebot und freiem, explorativem Lernen zusammensetzten. Der Tagesablauf sollte dabei zwar strukturiert, aber nicht durchgeplant sein, um Raum für neue und unerwartete Erlebnisse und Erfahrungen zu lassen.

In dem pädagogischen Konzept der jeweiligen Einrichtung sollten alle Punkte berücksichtigt werden, die im Flyer und auf der Website aufgeführt sind. So auch im Bezug auf das Spannungsfeld zwischen Förderung und Überförderung bzw. Überforderung.

Die pädagogische Betreuung und frühe Förderung

Eine am Kind orientierte pädagogische Betreuung umfasst vor allem auch die Kooperation mit Ihnen als Eltern und das Wissen über das Umfeld des Kindes. Wie im vorangehenden Kapitel dargestellt sind die Erfüllung der primären und sekundären Entwicklungsbedürfnisse und die Förderung der Selbstständigkeit des Kindes die Hauptziele der Betreuung. Durch die Ausrichtung auf dieses Ziel wird die gezielte Förderung im sprachlichen, motorischen und kreativen Bereich möglich. Altersgemischte Gruppen und Rituale fördern die natürlichen Lernprozesse der Kinder. Die Lernvorgänge sollen aber nicht verschult sein, sondern durch Sinneserfahrungen erfolgreich verinnerlicht werden.

Die pädagogische Betreuung sollte sich natürlich am Kind orientieren. Hierbei muss sowohl das Kind, als auch seine Vergangenheit und seine Familiensituation berücksichtigt werden, um ein ganzheitliches Erleben und Lernen zu ermöglichen. Dazu sollte jede pädagogische Fachkraft das Kind und seine Situation kennen. Diese Nähe zum Kind ermöglicht es ihnen, auf jedes Kind individuell einzugehen und ihm seinen Entwicklungsbedürfnissen entsprechende Angebote zu machen. Die Bedürfnisse im U3-Bereich sind neben emotionalen vor allem praktische: z.B. Laufenlernen, selbstständiges Essen und Toilettentraining. Die Fachkräfte fördern die Selbstständigkeit, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung der Kinder. Positive Verhaltensweisen werden gestärkt, die Zusammenarbeit zwischen Kindern gefördert, wodurch die Kinder auch voneinander lernen.

Doch wie wird das Kind optimal gefördert ohne dabei überfordert zu werden?

Kinder erfahren die Welt über ihren Körper und ihre Sinne, deswegen ist das Maß der Begreif-, Begeh-, Beroll-, Bekrabbel-, Erkletter-, Erfass-, Erschmeck-, und Erfühlbarkeit ihrer Umwelt von großer Bedeutung“. Das heißt die beste Förderung geschieht im Alltag durch anregende Materialien und Angebote. Die Sinneserfahrungen sind die wichtigste Quelle für erfolgreiche Lernvorgänge bei Kindern (siehe dazu auch Spielmaterialien)

Gezielte Förderung kann trotzdem in einigen Bereichen hilfreich sein.

Die Sprachentwicklung kann durch einfache Dialoge zwischen Fachkraft und Kind, aber auch zwischen den Kindern untereinander gefördert werden. Dialogisches Lesen bei Bilderbuchbetrachtungen, Lieder, Fingerspiele, Verse und Reime sind zur Sprachförderung das beste und einfachste Mittel. Von großem Vorteil ist es, wenn im Tagesverlauf ritualisierte Zeiten eingerichtet sind, in denen die genannten Methoden zur Förderung zwanglos angewandt werden, gut geeignet sind hierfür z.B. der Morgenkreis oder die Abschlussrunde.

Singspiele mit Bewegungen fördern dabei zusätzlich noch einen weiteren Bereich frühkindlicher Bildung. Motorik und Körpergefühl werden durch diese Lieder gesteigert. Außerdem auch durch Tanzspiele, Ballspiele, Massagen und Parcours, die durchklettert werden müssen. Auch das Außengelände ist ein wichtiger Faktor für die motorische Entwicklung der Kleinsten. Dieses sollte vielfältig sein und z.B. durch Spielgeräte oder Fahrzeuge verschiedene Bewegungsanlässe bieten. Auch die inneren Räumlichkeiten der Einrichtung sollten kreative Bewegungsmöglichkeiten produzieren und ermöglichen, so könnte z.B. der Flur zur Rennbahn umfunktioniert werden und in Bewegungsräumen und Turnhallen gibt es genügend Platz zum Toben.

Aber auch kreative Angebote fördern die Kinder und bieten ganz nebenbei weitere Sprechanlässe. Bei Rollenspielen sind die Kreativität und sozialen Kompetenzen der Kinder gefragt. Und auch bei andern kreativen Aktivitäten wie Bauen, Musizieren, Basteln, Malen, Verformen, Spielen im Sand und im Matsch wird das Kind ganzheitlich gefördert. Achten Sie darauf, dass die Einrichtung und ihre Umgebung für die Kinder eine reiche Quelle der Sinneserfahrungen darstellen.

Jedoch sollten alle diese Angebote nicht verschult sein. Englisch in der Einrichtung macht nur Sinn, wenn zumindest eine Fachkraft Muttersprachler ist und ausschließlich Englisch redet. Einmal die Woche „Englischunterricht“ für eine halbe Stunde überfordert die Kinder eher als dass es ihnen hilft. Besondere Angebote dieser Art müssen dann in der Konzeption der Einrichtung verankert sein.

Ein Bereich der U3 Betreuung dient in besonderem Maß der Erfüllung der Bedürfnisse der Unterdreijährigen und bietet zudem viel Potenzial für intensive Interaktion und damit ebenfalls zur frühen Förderung. Es ist der zeitfüllende und wesentliche Bereich der Körperlichen Versorgung und Pflege.


Körperliche Versorgung und Pflege

Bei Kindern unter drei Jahren handelt es sich um eine sehr verletzliche Altersgruppe, deren Entwicklungsbedürfnisse sensibel und fachgerecht gestillt werden müssen. Sie brauchen Zuwendung, Schutz und Geborgenheit. Besonders die körperliche und pflegerische Versorgung nimmt im Alltag der U3-Betreuung einen großen zeitlichen Teil des Tagesablaufs ein. Für Unter-Dreijährige sind Essens- und Pflegesituationen Zeitpunkte zum Lernen und Erfahrungen sammeln. Deswegen ist es sehr wichtig, dass diesen Situationen genug Zeit und Raum gewährt wird. Emmi Pikler spricht von einer „beziehungsvollen Pflege“. Versorgungssituationen sollen sorgfältig und liebevoll ausgeführt werden.

Kinder lernen oft in der Betreuung das selbstständige Essen. Der Übergang von gefüttert werden zu selbst mit Fingern und Besteck essen können ist sehr bedeutend und muss liebevoll, mit viel Geduld und Zeit gestaltet werden. Die pädagogischen Fachkräfte müssen es aushalten, dass sowohl das Kind als auch der Tisch und der Boden zeitweise schmutzig sein werden. Jedes Kind hat seine eigene Zeit und es soll nichts erzwungen werden.

Ebenso nimmt die Sauberkeitserziehung einen großen Teil der Arbeit ein. Dazu gehören das regelmäßige Wickeln, sowie das Lernen, auf die Signale des Körpers zu hören und schließlich auf das Töpfchen oder die Toilette gehen zu können. Das Wickeln ist eine vertrauensvolle Situation zwischen Erwachsenem und Kind. Obwohl es mehrmals täglich passiert, soll es mit viel Zeit, Zuwendung und Liebe geschehen. Die Fachkraft soll dem Kind zugewandt sein und Blickkontakt mit dem ihm halten. Die Handlungen sollten stets sprachlich begleitet werden.

Wenn die körperlichen und emotionalen Bedürfnisse des Kindes gestillt sind, wendet es sich wieder dem Explorationsverhalten zu. Das heißt: Ein Emotional sicher gebundenes und liebevoll versorgtes Kind will die Umwelt entdecken und begreifen. Es weiß, dass die Erzieherin es zuverlässig versorgt und pflegt und kann deswegen Explorationsverhalten zeigen. So muss die Erzieherin sich nicht ständig um jedes Kind gleichzeitig kümmern, sondern wendet sich den Kindern nacheinander zu.

Alltagssituationen sind nicht in Kompetenzbereiche einzuteilen. So lernt das Kind zum Beispiel beim Frühstücken gleichzeitig mit der Erfahrung des Essens durch alle Sinne (riechen, schmecken, fühlen, satt sein) das Soziale (Umgangsregeln, teilen, zuhören) und körperliche Anforderungen (Sitzen können, Löffel halten) miteinander zu verbinden.

Die Fortschritte, die die Kleinen in der Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben machen, sollten von den pädagogischen Fachkräften aufmerksam beobachtet, wahrgenommen und dokumentiert werden. Warum dies von großer Bedeutung ist, ist Gegenstand des folgenden Kapitels.


Dokumentieren und Beobachten

Der systematische Einsatz von Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren ist die Aufgabe von Kindertageseinrichtungen, sowie U3-Einrichtungen. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Der zugrunde liegende Hauptgedanke dabei ist, dass die dokumentierte Beobachtung in dem Vermögen münden soll, jedem Kind das Bildungsangebot zu machen, welches es gerade braucht. Durch die Beobachtung rückt das Kind mit seinen individuellen Interessen und Entwicklungspotenzialen in den Mittelpunkt. Die Beobachtung stellt also die Grundlage für reflektierte pädagogische Planung und für die Gestaltung von Entwicklungsaufgaben dar.

Zudem liefert sie Kenntnisse über den aktuellen Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes, an dem jede pädagogisch wertvolle Arbeit ansetzten sollte. Durch diese Kenntnisse ist es möglich zu prüfen, ob das Kind bestimmte altersnormierte Entwicklungsziele erreicht hat. Gerade bei Kleinstkindern ist diese Prüfung wichtig, da die Entwicklung in vielen Bereichen schneller voranschreitet als zu späteren Zeitpunkten. Werden Normabweichungen frühzeitig erkannt wird eine rechtzeitige, unterstützende Intervention ermöglicht. Dies gelingt nur durch sensibilisiertes, fachkundiges Beobachten.

Die Beobachtungen sollten systematisch erfolgen und ihre Dokumentationen für Sie und für Ihr Kind zugänglich aufbewahrt werden. So können sie z.B. in Portfolios überschaubar und nachvollziehbar geordnet werden. Dies ist nicht nur für Ihr Kind bedeutend, sondern gibt auch Ihnen Einblick in die Entwicklungen und Handlungen Ihres Kindes.

Außerdem liefert die dokumentierte Beobachtung eine wichtige Grundlage für die Zusammenarbeit mit Ihnen als Eltern. Sie macht Entwicklungsgespräche, die mindestens zwei Mal im Jahr stattfinden sollten, möglich. In diesen Gesprächen werden die Wahrnehmungen beider Seiten abgeglichen und eventuell weitere Schritte besprochen und geplant. Auf diese Weise werden die Fachkräfte und Sie zu Partnern im Entwicklungsbestreben Ihres Kindes.

Aber nicht nur im Bezug auf die Entwicklungsdokumentation ist die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der Einrichtung von Bedeutung. Deswegen soll es abschließend um die Elternarbeit gehen.


Elternarbeit

Elternarbeit nimmt in der U3-Einrichtung eine wichtige Rolle ein. Da Sie ihr Kind am besten kennen, sollten Sie darauf achten, dass die Einrichtung eine kontinuierliche, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Ihnen anstrebt und Sie als Kompetenzpartner im Erziehungs- und Bildungsprozess Ihres Kindes anerkennt. In einer solchen partnerschaftlichen Kooperation sind Vertrauen und Transparenz auf beiden Seiten unerlässlich.

Die Einrichtung muss Raum schaffen für die Begegnung zwischen Ihnen als Eltern und den pädagogischen Fachkräften, z.B. durch festgelegte, häufige Sprechzeiten zur Aufrechterhaltung des Kontaktes. Auch sollte Ihnen die Möglichkeit einer aktiven Mitgestaltung, z.B. an dem Alltag Ihres Kindes, gewährleistet sein, oder durch Einbezug in die Planung von Gemeinschaftsaktionen, wie z.B. Exkursionen. Weiterhin ist es wünschenswert, dass die Einrichtung Räume schafft, in denen Sie als Eltern Ihre Fähigkeiten in den Kitaalltag einbringen können.

Besteht auf Ihrer Seite Unterstützungs- und/oder Beratungsbedarf sollten hierzu die Fachkräfte zur Verfügung stehen. Werden aktuelle Lebenssituationen mit den Fachkräften besprochen, entsteht für sie die Möglichkeit, diese im Umgang mit Ihrem Kind zu berücksichtigen und pädagogisch zu begleiten.

Das Konzept der Einrichtung sollte Ihnen verschriftlicht zur Verfügung stehen oder auch durch die Fachkräfte präsentiert werden. Dies wäre beispielsweise durch Informationsabende realisierbar. Außerdem sollte die Einrichtung Infowände gestalten, damit Sie sich dort über den Alltag der Kinder informieren können.


Eine Kurzform dieser Inhalte können Sie auch in unserem Flyer einsehen. Diesen können Sie hier auf Ihren Computer herunterladen.

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Um Ihnen als Eltern die Einschätzung eines Betreuungsplatzes zu erleichtern, haben wir eine Checkliste erstellt. An dieser Checkliste können Sie sich bei der Auswahl eines Betreuungsplatzes orientieren. Weitere Informationen erhalten Sie auch unter der Kategorie "Checkliste" auf dieser Homepage.

Checkliste
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